Ein alternativer Ansatz zur Nutzung von e-Learning für e-Inclusion

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Lernen & Gesellschaft
Ein alternativer Ansatz zur Nutzung von e-Learning für e-Inclusion

Fünf Strategien für die Überwindung mentaler Barrieren und die Freisetzung von Kapazitäten im Kontext des Computeranalphabetismus

Dieser Artikel bietet einen innovativen Beitrag zum Thema der „digitalen Eingliederung“. Die meisten Initiativen, die sich mit der digitalen Eingliederung befassen, neigen dazu, sich auf Hardwarefragen zu konzentrieren, indem sie Computer spenden, Heime verkabeln, drahtlose Geräte einsetzen usw. In Anbetracht der Besonderheiten der vom digitalen Ausschluss betroffenen Zielgruppen müssen wir feststellen, dass ein alternativer Ansatz nötig ist.

Unser Vorschlag basiert auf den Haupterkenntnissen des e-Learning 4 e-Inclusion Projekts, einem von der e-Learning-Initiative finanzierten EU-Projekt, das über 600 zugunsten der digitalen Eingliederung unternommene Maßnahmen analysiert hat.

Digitaler Ausschluss ist ein sehr vages Konzept. Die so genannten Computeranalphabeten, die Behinderten einmal beiseite gelassen, erleben sehr unterschiedliche Situationen. Zu ihnen gehören zum Beispiel Senioren, Arbeitslose, Strafgefangene, Jugendliche in schwierigen Verhältnissen, Immigranten usw.

Für alle diese Gruppen reicht es nicht, IKT-Lehrmodelle zu entwerfen und implementieren. Es sollte ein alternativer Ansatz entwickelt werden, der auf zwei Hauptforderungen basiert:

  • Überwindung mentaler Barrieren (im Gegensatz zu den lediglich technischen)
    Als Hauptursachen für die Marginalisierung der von sozialer Ausgrenzung Betroffenen oder Bedrohten in der Informationsgesellschaft zeigen sich gegenwärtig zum Beispiel das häufig gegenüber neuen Technologien empfundene Misstrauen und der Mangel an jeglichen Inhalten, die für diese Personengruppen attraktiv oder nützlich sind.
  • Konzentration auf die Freisetzung von Fähigkeiten (im Gegensatz zur unmittelbaren Nutzung)
    Wichtig ist nicht in erster Linie, die Benutzung von zum Beispiel Netscape oder Outlook zu lehren, sondern das bildende und befreiende Potenzial neuer Technologien zu vermitteln. Um das Internet zu einem Werkzeug der Integration sozial Ausgegrenzter zu machen, muss man ihnen die Fertigkeiten vermitteln, die sie brauchen, um in der Informationsgesellschaft beschäftigungsfähig zu werden. Dies lässt sich nicht von der Erschließung ihrer Fähigkeit loslösen, kritisch zu denken, eigene politische Ansichten zu entwickeln und sich selbst in Bürger- oder Kulturinitiativen zu organisieren. Die IKT sollten eher in einer breiteren sozialen Dimension erwogen werden als mit einem reduktiven technischen Ansatz.

In diesem Kontext empfehlen wir fünf Strategien zur effizienten Nutzung von e-Learning für die soziale und digitale Eingliederung.

1. Die Strategie der Verbindung der IKT-Lehre mit der von anderem, nichtdigitalem, für die soziale Eingliederung ebenso wichtigem Wissen. Erstens sind die Lernenden wesentlich motivierter, weil sie den Erwerb von IKT-Kompetenzen mit Dingen assoziieren, die für sie von wirklichem Interesse sind (Erlangung eines Führerscheins, einer Arbeitsstelle usw.). Zweitens stellt die Kombination von Lernzielen einen Effizienzfaktor dar; während die Lernenden nämlich Internet-Kompetenzen erwerben, erwerben sie auch andere (wie Auto fahren lernen; siehe den Fall des Projekts La casa de Shere Rom, in dem eine Zigeunergemeinde im Mittelpunkt stand, in der Computer zur Vorbereitung auf die Fahrprüfung eingesetzt wurden). Drittens wird – in Anbetracht der Tatsache, dass nicht nur digitale, sondern auch andere Kompetenzen vermittelt werden, die, obwohl nicht digital, trotzdem unerlässlich für die soziale Eingliederung sind – ein großer Schritt in Richtung der sozialen Eingliederung getan.

2. Kommunikationsstrategie. Unsere Misserfolgsanalyse hat gezeigt, dass ein Angebot seine Ziele nicht erreichen wird, wenn man es nicht richtig vermittelt. Es gibt unzählige Websites, die sich der Unterstützung von Frauen oder Immigranten verschrieben haben, und die, wie gut sie auch gestaltet und organisiert sein mögen, ihr Ziel nicht erreichen, weil ihre „Zielgruppe“ nicht weiß, dass sie überhaupt existieren. Die Kommunikation muss sowohl der Zielgruppe als auch ihrer geografischen Situation angemessen sein, d. h. sie muss berücksichtigen, ob sie einen lokalen, nationalen oder internationalen Charakter hat. Außerdem müssen zur Übermittlung der Botschaft nichtdigitale Mittel genutzt werden, da die Zielgruppe ja gerade die digital Ausgeschlossenen sind.

3. Strategie der Peer-to-Peer-Lehre. Hiermit ist gemeint, dass es im weitest möglichen Umfang wünschenswert ist, dass sich die Lernenden gegenseitig unterrichten. Dies kann formell oder informell strukturiert sein. Im ersten Fall werden Lernende auf ein Lehrerniveau „befördert“; eine wichtige Folge ist hier, dass die Nachhaltigkeit gewährleistet ist, wenn genügend Lernende dazu angeregt werden, eine Lehrerrolle zu übernehmen. In weniger formell strukturierten Situationen kann die von den Lernenden gegenseitig angebotene Hilfe indessen die kognitive Relevanz des Erklärten signifikant unterstützen und die Motivation sehr fördern.

4. Strategie der Schaffung informeller Umgebungen. Diese Strategie hat den Vorteil, dass sie für diverse Zielgruppen geeignet ist. Für die Vermittlung von Computerkompetenz kann die traditionelle Klassenraumumgebung zum Beispiel für Kinder, die so etwas nicht gewöhnt sind, sehr langweilig sein. Eine informellere und experimentellere Umgebung, in der die Kinder den Computer als Spielzeug nutzen, kann hingegen sehr effektiv sein. In gleicher Weise können solche förmlichen Lernumgebungen auf Immigranten, deren kultureller Hintergrund sich von dem des Gastlandes deutlich unterscheidet, einschüchternd wirken; sie fühlen sich in weniger förmlichen Umständen möglicherweise wohler. So ziemlich dasselbe kann man auch in Hinsicht auf bestimmte Frauen- oder Seniorengruppen sagen.

5. Lehrstrategie auf der Grundlage kultureller oder geschlechtlicher Identifikation. Dieser Ansatz ist besonders gut für Fälle von e-Learning für Frauen dokumentiert. Da digitale Technologie tendenziell als „Männerwelt“ aufgefasst wird, fühlen sich heranwachsende Mädchen durch sie oft nicht motiviert. Daher kann es vorteilhaft sein, weibliche Lehrkräfte zur Erläuterung der Nutzung einer bestimmten e-Learning-Umgebung heranzuziehen und weibliche Avatare für die Präsentation der Inhalte zu verwenden. Auch wenn die Wirkung unbewusst sein mag, kann sie doch wichtig sein, da sie zum Aufbrechen des Stereotyps beträgt, nur Männer könnten mit den IKT umgehen. Ein ähnliches Phänomen wurde bei Immigranten beobachtet: Ein aus der gleichen Kultur stammender Lehrer wirkt in der Regel motivierender, und zwar unabhängig davon, wie gut der Immigrant die Ortssprache beherrscht.

Fazit

Die Praxis der digitalen Eingliederung muss technische und kognitive Ansätze miteinander verbinden. Die Vermittlung fachlicher Kompetenzen unter Nutzung eines Computers oder des Internet bleibt nutzlos, wenn sie nicht mit Motivierung und Kontextualisierung einhergeht. Es ist die Verbindung dieser Elemente, die ein solches Know-how für die Zielgruppe wirklich nützlich und für den Kampf gegen die soziale Ausgrenzung effektiv macht.

Neue Lösungen sind möglich. Sie sind aufgrund der Vorherrschaft einer ausschließlich technischen Betrachtungsweise des Problems all zu oft übersehen worden. Im Wesentlichen bewegen sich die vorgebrachten Strategien in Richtung eines neuen Paradigmas, das auf informelleren Lehrumgebungen basiert, in denen der Austausch unter Gleichgestellten eine wesentliche Rolle spielt und schädliche Stereotypen bezüglich der neuen Technologien vermieden werden.

Natürlich versteht es sich von selbst, dass all diese Praktiken ohne ein nötiges Minimum an Infrastruktur, also den Zugang zu einem Computer und zum Internet, nicht durchführbar sind. Genauso klar ist jedoch, dass auf der Bereitstellung technischer Mittel basierende Investitionen uneffektiv bleiben, wenn sie nicht von einer neuen Methodologie auf der Grundlage von Kontextualisierung und Motivierung begleitet werden.

Dieser Text ist eine Zusammenfassung des im Rahmen der -learning for e-inclusion Conference präsentierten Artikels „Digital Inclusion: Best practices from e-Learning“.



Für weitere Informationen über die von verschiedenen Institutionen unterstützte European Charter for Social Inclusion using E-learning (E-Learning zur sozialen Eingliederung) para obtener más información sobre la Carta de inclusión social y digital promovida por varias instituciones.


Dieser Text ist eine Zusammenfassung des im Rahmen der -learning for e-inclusion Conference präsentierten Artikels ??Digital Inclusion: Best practices from e-Learning??. Für weitere Informationen über die von verschiedenen Institutionen unterstützte European Charter for Social Inclusion using E-learning (E-Learning zur sozialen Eingliederung) para obtener más información sobre la Carta de inclusión social y digital promovida por varias instituciones.

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